Zwei Wochen auf Kanu-Freestyle-Weltcup-Tournee quer durch Europa und ein zweiter Platz in der Gesamtweltcupwertung im OC1
Am vergangenen Sonntag wurde die zweite Weltcuprunde – dieses Jahr in Europa – mit dem Weltcupfinale und der Vor-WM in Thun/Schweiz beendet. Neben insgesamt drei Weltcups in Prag, Augsburg und Thun, wär für mich und wohl auch für viele andere Teilnehmer der Tournee nicht nur der Wettkampf an sich erlebnisreich, sondern auch alles, was ein Kanu-Freestyle-Event ausmacht, d. h. neben der dazugehörenden After- bzw. „Looser“-Partys das Gemeinschaftserlebnis, das wohl irgendwie auch mit einem grossen Zirkus, der von Stadt zu Stadt, von Land zu Land zieht, vergleichbar ist und das wie ich finde wohl fast nur bei Kanu-Freestyle-Veranstaltungen so ausgeprägt ist, weil hier einfach kein so ausgeprägtes Konkurrenzdenken wie in anderen Sparten des Kanusports herrscht, sondern es einfach um den Sport an sich geht und das Feiern hier einfach dazugehört, und das zusammen mit Franzosen, Schweizern, „Dutchies“ (Holländer), Ösis, Schweden, Aussies (Australiern), Kiwis (Neuseeländern), Monkeys (Engländern), …
Aber trotz des partyreichen Rahmenprogramms bei allen Wettbewerben, hat man auch gemerkt, dass der Sport seit letztem Jahr wieder ein Stück professioneller geworden ist. So gab es in der Woche vor dem Weltcup-Auftakt in Prag ein internationales „Judge-Seminar“ , um beim bewerten der Moves ein faires und einheitliches Wertungssystem für die Juroren zu vermitteln.
Die Moves selbst waren dieses Jahr gerade bei den Halb- und Vollprofessionellen der Szene regelmäßig mit „Air“ und nachdem im letzten Jahr ein Score (erreichte Punktzahl in einem Lauf) von 1000 Punkten noch eher die Ausnahme war, musste man in diesem Jahr bei den K1-Herren schon auf mindestens einen solchen Score kommen, um sicher das Halbfinale und ohnehin das Finale zu erreichen.
Auch was das freie Training neben den zwei, drei Nationentrainings von ca. einer Stunde anging, musste man um nicht eine halbe Stunde im Kehrwasser zu stehn, zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens aufs Wasser, und selbst zu dieser Zeit war man nie allein, sondern mit fünf bis sechs anderen beim Training, zumal die „Spots“ meistens flutlichtbeleuchtet waren.
Im OC1 (offener Canadier bzw. von mancheinem auch „Badewanne“ genannt) verhalf mir ein gutes Finale in Augsburg und der olympische Gedanke „dabei sein ist alles“ wohl zu meinem zweiten Platz beim Gesamtweltcup, den sympatische Australier Jeremy Blanchard für sich entschied, da der Gewinner von Augsburg James Weir in Prag nicht teilnahm und ihm daher auch die notwendigen Punkte für die Gesamtwertung fehlten. Trotzdem wurde natürlich bei jedem OC-Finale um den Sieg gepunktet und in Augsburg gar geloopt (Salto vorwärts), was im OC eher die Ausnahme ist.
Im C1 musste ich bereits bei der EM in Ourense/Spanien einsehn, dass die Konkurrenz mittlerweile nicht nur was das Material angeht einen kleinen Vorsprung hat, den es gilt bis nächstes Jahr zumindest etwas zu verkleinern, was mit meiner neuen Wahlheimat Augsburg und der Nähe zum Eiskanal und Kuchl schon machbar ist. Zumindest im Training hatten sich die drei Monate in Augsburg mit Airloops und einem Entryloop (Salto beim Einfahren von oben in die Walze) schon bemerkbar gemacht. Bei den Vorläufen in Augsburg hatte ich mich als „Local“ aber wohl zusehr selbst unter Druck gesetzt und das Halbfinale verpasst. In Prag war ich zwar punktgleich mit dem zehnten und letzten Halbfinalisten, aber hier war der punktreichste Trick ausschlaggebend, den mein französischer Konkurrent und Paddlerfreund gewertet bekam. Auch in Thun verpasste ich um einen Platz das Halbfinale. Hier hatte ich im letzten von vier Läufen noch alle Chancen den „Cut“ zu schaffen, verlor aber beim Einfahren in die Welle und Wechsel des Paddels von der schwachen in die starke Hand mein Paddel und wurde punktlos durch die Welle gespült.
Trotzdem war für mich Thun das erlebnisreichste Event des Jahres, zumal ich viele neue Paddler kennengelernt und die Freundschaft zu bekannten Paddler aus dem Team Germany, Frankreich, der Schweiz, Österreich und USA weiter pflegen konnte. Weiter pflegen werde ich auch den Kontakt zu meinem australischen Mitkonkurrenten, da dieser nicht nur das Canadierfahren und Kanu-Freestyle mit mir gemein hat, sondern zudem so wie ich in einer „Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit“ in Sydney Polizeidienst verrichtet.
Neben dem Training für die WM-Quali im nächsten Jahr ist jetzt auch für mich erstmal wieder Dienstverrichtung angesagt und ab Herbst wahrscheinlich eine Umsetzung zur Bundespolizei in München oder Rosenheim, was mir wiederum mehr Zeit und Gelegenheit zum paddeln bieten wird, um vielleicht in ein paar Jahren schon bei der Quali für die olympischen Spiele „mitzumoven“.
Verfasst durch: Toby Hüther